Sonntag, 11. März 2018

Hinterhofleben - Maik Siegel [Rezension]



Rezension – Hinterhofleben – Maik Siegel




Titel: Hinterhofleben
Originaltitel: Hinterhofleben
Autor: Maik Siegel
Verlag: Divan
Genre: Drama
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 256 Seiten
Preis: 15,90€
ISBN: 9783863270469




Die Linde gilt vielen als deutscher Baum.
Die Germanen sahen in ihr einen heiligen Baum und manche von ihnen glaubten, dass die Göttin Freya ihre Hand schützend über sie hielt.

Was passiert mit einer Hausgemeinschaft, wenn auf einmal statt Mülltrennung Weltpolitik diskutiert wird?
Die Linde im Hinterhof grünt gerade erst, als die Bewohner der Nummer 68 im Prenzlauer Berg entscheiden, dem syrischen Kriegsflüchtling Samih Unterschlupf zu bieten.
Doch mit der Zeit spaltet sich die Hausgemeinschaft in hilfsbereite und um die eigene Sicherheit besorgte Menschen, deren Zentrum die Linde im Hof bildet und als Inbegriff des deutschen Raumes gilt.
Im Hinterhof erlebt sie als stumme Zeugin, das Verhalten und die Gedanken der 68er gegenüber ihrem neuen Nachbarn Samih. Die neuesten Entwicklungen, die er mit sich bringt und die gemeinsamen Entscheidungen der sehr heterogenen Hausgemeinschaft werden im Hinterhof ausgetragen. Bis das letzte Blatt der Linde im Herbst gefallen ist, werden die Bewohner einiges über sich und ihre wahren Absichten offenbart haben.
Maik Siegel hat mit Hinterhofleben ein Buch geschaffen, das ein Gesellschaftsroman im klassischen Sinne ist und aktuelle und gerade hoch brisante Themen behandelt, ohne dabei den Humor zu verlieren. Von den Kriegszuständen in Syrien, den Flüchtlingsströmen zu Land und zu Wasser, der deutschen Willkommenskultur, Homosexualität, Gewalt in Computerspielen, der europäischen Kolonialisierungsgeschichte, kindlicher Abenteuerlust und dem Helfer-Syndrom wird mal mit Ernsthaftigkeit, mal mit Witz und Sarkasmus erzählt. Dabei gibt die Komplexität der Charaktere den gängigen Argumenten in der Flüchtlingsdebatte ein Gesicht, das jenseits von Schwarz- und Weißmalerei liegt.
Inspiriert von klassischen und zeitlosen Werken wie Gerhart Hauptmanns Die Ratten und Ödön von Horvaths Geschichten aus dem Wiener Wald ergibt sich eine spannende und dicht erzählte Geschichte, die ihren Realitätsanspruch durch die detailgetreue Wiedergabe des Prenzlauer Bergs erhebt.

Das Buch ist aus der Sicht eines auktorialen Erzählers geschrieben und berichtet aus der Sicht verschiedener Personen, ebenso wie die Linde, die im Zentrum des Hinterhoflebens des Berliner Hauses liegt.
Jede dieser Personen hat eine andere Einstellung, andere Lebensgewohnheiten und Ansichten, aber es ist dennoch eine Hausgemeinschaft, die gemeinsam mal grillt und Zeit verbringt. Aber es ist auch so, dass jeder seinen Alltag hat und genießt und ihn nicht verändert haben will. Daher ist Samih ein Eindringling im Alltag, der Erwartungen weckt und Ängste schürt unter den Hausbewohnern, der das Leben im Haus verändert.
Auch wenn sich die Charaktere nur ein wenig weiterentwickeln, geraten sie doch an ihre Grenzen. Ich konnte mich mehr oder weniger gut in alle hineinversetzen, da sie auch aus unterschiedlichen Altersgruppen und Kulturen stammen. Dementsprechend waren ihre Gedanken und Handlungen nachvollziehbar.

Die Geschichte gibt einen intensiven und wichtigen Einblick in den Umgang mit Flüchtlingen und wie sie das Leben in Deutschland verändert haben, anhand des Beispiels eines Hauses. Das Haus ist ein Querschnitt unserer Gesellschaft und zeigt, wie Vorteile, Ängste und Misstrauen entstehen, ohne sich mit allem auseinanderzusetzen oder gar die Personen zu fragen, die es betrifft. Und genau das macht die Geschichte zu etwas Besonderem, denn sie zeigt, wie viele Deutsche ticken, ohne zu übertreiben. Natürlich gilt es nicht für die Allgemeinheit, denn es gibt bestimmt Menschen, die Flüchtlingen gegenüber nicht so wie die Bewohner des Hauses handeln. Aber es ist eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt und einen bewusst machen sollte, wie und warum wir handeln. Daher konnte sie mich trotz des distanzierten Schreibstils und der Vielzahl der Charaktere fesseln und mitreißen. Es gibt einige überraschende Wendungen und Entwicklungen. Der Schreibstil des Autors ist angenehm und flüssig zu lesen.

Ein gelungener Roman mit Gesellschaftskritik, der einen zum Nachdenken anregt, daher gibt es von mir verdiente


An dieser Stelle möchte ich dem Autor und dem Verlag für das Bereitstellen des Rezensionsexemplares danken. Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, auch wenn es anders war als ich es erwartet habe. Habt ihr das Buch denn auch schon gelesen? Wenn ja, wie hat es euch gefallen? Wenn nein, würdet ihr es noch lesen wollen? Wie hat euch meine Rezension gefallen? 

Wünsche euch einen schönen Tag. 
Eure Nadja

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